Tenochtitlan

Die Sterne leuchten hell über feinem Wüstensand,
auf einem Planeten, den der Adler mit der Schlange im Mund erfand,
um sich zu freuen an seiner eigenen Pracht.
Er hat Berge, Flüsse und den Ozean gemacht…

Er hat dir die Freude und die Traurigkeit gebracht.
Er hat in dir ein hell loderndes Feuer entfacht.
Gib nur Acht, gib nur Acht, dass es nicht aufhört zu brennen:
„Fremde Männer am Horizont, um diese Stadt einzunehmen!“
Du hast sie mit den Brüdern in Lagunensumpf gebaut
und fest auf ihre Uneinnehmbarkeit vertraut,
doch bevor die weißen Monster auf Drachen zu sehen sind
trägt schon der Wind das Gift ins Haus und raubt dir dein Kind.
Was tust du nun, Sohn der Sonne, Zentrum des Universums?
Stoß den Pfeil in die Kröte, bemal das Gesicht und dann töte
diese Bestien, die auf fliegenden Inseln kamen übers Meer,
auf dass sie niemals, niemals zurückkehren.

Im Zentrum des Universums scheint die Sonne nicht.
Stoß den Pfeil in den Frosch und bemal dir das Gesicht!

Die Sterne leuchten hell über fetten Lehmböden,
über schroffen Felsketten, endlosen Einöden.
Die Wolken ziehen sich lautlos über Fabriken und Geisterstädte,
über die Türme der Metropolen und die Gräber von Millionen,
die für die Schatzkammern der Herren die Federn ließen
und alles geben, um in Tenochtitlan zu leben,
sich wie Maulwurfarmeen durch die Metroschächte plagen,
lebendig begraben, wie Guanajuatos Sklaven.
Verstehst du, was ich sage, dir zu berichten habe?
Alles fließt im Kreis, auch die Geschichte, wie du weißt.
Und so kehrt alles wieder, denn dich hat’s nicht interessiert.
Dein großer Geist war zu sehr auf anderes fokussiert.
Gelebt, um einzukaufen, ein Ziel verfolgt, um wegzulaufen,
so viele Jahre verschwendet und das hat auch dich verändert.
Was nun, Sohn der Sonne, Zentrum des Universums?
Stoß den Pfeil in das Gift und bemal dir das Gesicht!

Mit der Farbe, die bedeutet, dass der Krieg begonnen hat.
Und nicht gestern oder heute, nein, er tobt hier schon immer,
hat sich eingeschlichen ins Unterbewusstsein und noch schlimmer,
er regiert das Miteinander und zerbricht unsere Verbindung.
Ich kann dich kaum noch sehen, deine Sprache nicht verstehen,
ganz als ob wir an dem Virus alle kaputtgehen.
Ich mochte dich so gerne, doch jetzt spür ich nur noch Ferne
und das Vergessen einer Welt, die für uns nichts mehr enthält
und den Mangel an Substanz durch Schnickschnack kompensiert
und damit produktiv wird und sich selbst perpetuiert
und sich alles einverleibt, was da lebt und strebt,
gleichschaltet und verstümmelt, was für sich alleine steht.
Wie einst die große Stadt, die jetzt im Sumpf langsam untergeht,
während der Emissionenwind über leere Plätze weht.
Im Zentrum des Universums Scheint die Sonne nicht.
Stoß den Pfeil in den Frosch und bemal dir das Gesicht!

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