Stumpfer Stift

Der Stift ist stumpf geworden und es füllen sich die Zeilen
und ich sitz schon viele Jahre hier nur um an ihnen zu feilen.
Von diesem Fenster überblick ich diese Straße.
Es hat geregnet und die Luft trägt keine Abgase…

Es wirkt so friedlich und man kann sich nicht beschweren
und außerdem liegt mir das fern.
Alles nimmt seinen Lauf und das Grün der Bäume kommt und geht
und man hat doch alles, doch irgendetwas fehlt.
Ist es das Wert danach zu suchen immer, immer weiter?
Laufen, kriechen, rennen, dabei, dein Leben zu verpennen,
Kopfgeburtenringkampf gegen Bauchentscheidungen,
zu nichts entschlossen, kein Verlust und kein Gewinn.
Und Deine Häuser zu Ruinen verfallen,
waren sie doch irgendwann die schönsten von allen.
Ihre einst so stolzen Dächer tragen tiefe Wunden,
ihre Gärten leer und heimgesucht von wilden Hunden.

Der Stift ist stumpf geworden und es füllt sich der Kalender,
doch die Zeit sie tickt und die Tage werden länger.
Wie Wunden die wir haben, von den Rändern her vernarben.
Sie heilen endlich, unser Klagen wird verständlich.
Lohn für all die Mühen doch noch ausbezahlt,
die vielen leeren Leinwände endlich ausgemalt.
Damit bannen wir die Bilder, die schon Jahre spuken
und gewinnen sie, doch ein Teil wird verbluten.
Ist es das Wert, es aufzuwischen und es auszuwinden,
es auszufrischen, aufzutischen und neu zu erfinden?
Wird neuer Wein in alten Schläuchen uns den Kopf verdrehen?
Haben wir das Wichtigste übersehen?
Anstatt darauf zu starren, darüber hinauszugehen.
Folgen wir Phantomen und können nicht verstehen,
denken, dass wir wachsen, doch fressen unsere eigenen Glieder,
schwören es zu lassen, doch tun es wieder.

Der Stift ist stumpf geworden und die Sehnen können heilen,
sie sind zerrissen unter Schmerzen um sich mitzuteilen.
Sie sagen, dass sie aus Gewebe seien und nicht aus Seilen,
sagen, du musst aufhören, dich ständig zu beeilen.
Muss erst alles bersten, bis sich die Schönheit offenbart?
Muss erst Frösche regnen, bis der Himmel klart?
Von diesem Fenster überblick ich fast die ganze Stadt,
du bist nur noch selten hier und haust wohl bald für immer ab.
Für mich war Zuhaus immer dort, wo dein Waschbeutel hing in meinem Badezimmer.
In einer grünen Kugel über Kontinente flogen,
so haben wir alles gesehen, von da ganz weit oben.
Kein Besitz und keine Sorgen, die uns runterzogen,
nur die Welt und wir und der Wind und die Wogen,
die uns irgendwann weit auseinander trieben,
nacheinander greifen, uns nicht mehr zu fassen kriegen.

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