Schwarzmalerei

Nie aufgehört, diesen Gedanken nachzustellen
Die wie reines Alpenwasser aus dem Untergrund quellen
Man muss sie nur lassen, seinen Fokus bewegen
Sein Gesicht vom Plasma auf den Planeten heben

Und dann fallen Schuppen von den Augen, wie die dicksten Groschen
Und ich stell mit Schrecken fest, mein eigenes Licht ist fast erloschen
Ich sage meinem Chef, ich werde mich verspäten
Wie lange brauchen Sie? Naja, so ungefähr ein Leben
9 to 5 schuften, wie käme ich dazu?
Geld und so wenig Zeit, das macht nur depressiv im Nu
Dafür sind die Menschen nun wirklich nicht gemacht
Außerdem habe ich mein Leben lieber im Wachzustand verbracht
Als wie ein zurechtgemachter Zombie Zahlen zu zerlegen
Und das, was sie ergeben in Tabellen einzupflegen
Formeln und Matrizen zu Wahrheiten erheben
Und felsenfest davon überzeugt, ich kännte das Leben
Doch jetzt ist Schluss mir der Schwarzmalerei, schau dich doch um, alle glücklich und frei!
In den Chefetagen tobt ein Krieg um Posten und Millionen
Auf der Straße geht es um bezahlbares Wohnen
Ich gehe heute dort hinauf auf meinen leisen Sohlen
Aktien und Schatzbriefe in Milliardenhöhe holen
Ich verstopfe damit die Läufe der Kanonen
Der Waffen, die’s nur gibt, naja weil sie sich eben lohnen
Für den Deutschen Mittelstand, die Wirtschaftsmacht von nebenan
Okay, dann! Weil gegen Arbeitsplätze keiner etwas sagen kann.
Ein Text wie dieser im Jahr 2016
In der angelikanischen Ära, was soll das denn?
Leute, wir haben unsere Stimme verloren
Und spitzen für verlogene Demagogen die Ohren
Es ist wieder das alte Dilemma, das uns lähmt
Es ist immernoch die uralte Angst, die uns zähmt
Doch wir leben gut damit, uns ihr zu ergeben
Und genau das ist das Stichwort: Wir leben!
Doch in Guerreros Hügeln irgendwo verborgen
Entrechtet, entführt, gefoltert und gestorben
Durch Hecklers Kugeln in kritischen Hirnen
30 Studenten mit zerschossenen Stirnen
Doch jetzt ist Schluss mir der Schwarzmalerei, schau dich doch um, alle glücklich und frei!
Wir sind bestochen mit 40-Stunden-Wochen
Haben uns in behaglichen Heimen verkrochen
Wir sind anästhesiert, gut gelaunt und saturiert
Pornos und Entertainment haben uns kastriert
Die Fantasie zerstört, das was nur uns gehört
Damit es allen gefällt öffentlich ausgestellt
Das Allereigenste in die Gosse geschüttet
Damit es noch schnell stinkt und schließlich doch versickert
Doch jetzt ist Schluss mir der Schwarzmalerei, schau dich doch um, alle glücklich und frei!

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