Flaschenpost

Sieben Wochen her, dass wir den Hafen verließen,
Leinen los, um die Ferne zu erschließen,
alte Abenteuer in unsern Köpfen,
fern der Enge aus dem Vollen zu schöpfen…

Wir sind noch jung, uns gehört die Welt,
also haben wir einen Plan aufgestellt.
Es war eine Flucht, doch sollte Feldzug sein
und genau deswegen luden wir auch Waffen ein.
Wie weinende Gesichter in einem Tränenmeer vergehen,
konnten wir vom Masttop immer kleiner werdend sehen.
Bald ein leerer Horizont und nur noch Schornsteine,
zwischen Himmel und Ozean kleine rauchende Keile.
Wir waren hier nie zuhause, immer ein bisschen die Feinde.
Ihr seid uns jetzt los und wir die Langeweile.
Wir waren nie eingeweiht in diesen Plan.
In diesem Lachen waren wir der faule Zahn.
Wir sind nur konsequent und in Gedanken längst schon weg,
wir gehen sie jetzt suchen, das ist der Reise Zweck.

Fünf Wochen her, dass wir die Kanaren passierten
und die ersten Seeungeheuer besiegten.
Sie sahen fremd aus, hatten Flügel statt Flossen,
mit denen sie giftige Substanzen vergossen.
Mit unseren Harpunen haben wir sie erschossen.
Ihr schwammiges Fleisch haben wir trotzdem genossen.
Doch seit diesem Tag hat sich die Stimmung verändert
und unser Blatt hat sich allmählich gewendet.

Nachts sind die Sterne, als könnte man sie pflücken,
mit dem kleinen Finger ihre Laufbahn verrücken.
Einer fand’s chaotisch und wollte korrigieren
und dachte nicht daran, dass wir danach navigieren.
Doch wie sollten wir uns jetzt orientieren?
Wir trieben ab nach Norden und drohten zu erfrieren,
wir steuerten dagegen, begannen wohl im Kreis zu fahren,
tranken Tau um Wasser zu sparen.

Viele Tage lang irrten wir durch zähes Blau,
kamen nicht voran, denn die Winde waren lau
und durch die Ritzen der Planken
drangen die Tropfen bis in unsre Gedanken.
Und plötzlich war das Meer kein Wasser mehr,
begann sich zu verhärten wie erkaltender Teer.
Leute, dieser gottverdammte Kahn hat sich endgültig festgefahren!
Auf einer Sandbank in der Mitte einer uferlosen Platte,
unter stehenden Wolken aus heißer Luft und Watte.

Ich schreibe an die Möwen, Küsten zu verkünden.
Ich schreibe an die Inseln, Hoffnung zu entzünden.
Ich schreibe an die Winde, uns den Weg zu sagen.
Ich schreibe an die Brandung, uns nach Hause zu tragen.

 

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