Der Steinbock

Ich steh auf einem Berg, ich seh auf einmal klar.
Das, was ich seh’ ist mir die größte Qual.
Da unten fließen Bäche in’s Tal,
doch sie führen Schaum und das Wasser ist braun…


Ich kann’s nicht glauben, hier wohnen doch keine Leute.
Gäb’ es wilde Tiere, ich wäre ihre Beute.
Ich näher’ mich dem Fluss, der Dunst verletzt die Häute,
das Wasser ist alle, wo ich doch trinken wollte.
Es ist offensichtlich, das Bächlein ist vergiftet,
die ganze Flora und Fauna vernichtet,
kein lebendes Fischlein gesichtet.
Was für ein Skandal, keiner hat’s berichtet.
Es muss wohl irgendwie einfach passiert sein.
Ein Fässlein Altöl muss explodiert sein.
Ein Kastor Atomschrott proliferiert sein.
Eine Düngerfabrik ins Wasser emittiert sein.

Nein, ich weiß, was es ist, ein Verbrecher am Werke ist,
die Ressourcen nicht schont, die Wasserqualität vergisst.
Er wohnt in den Klippen, geht öfter einen kippen,
es ist der alte Steinbock, er hat’s verbockt.
Doch Steinböcke dürfen das, sie sind ja Natur,
nach ihnen tickt die ökologische Uhr,
außerdem erfinden die niedlichen Tiere
keine hochgiftigen chemischen Geschmiere.
Sie bauen keine Straßen und auch keine Schienen.
Ich weiß, ich lauf Gefahr, hier Klischees zu bedienen,
doch Leute, nehmt euch an den Tieren ein Beispiel,
denn aus wenig machen sie viel.
Die Seeschwalbe fliegt zwölftausend Kilometer,
das Ganze ohne Gepäck und Tachometer.
Ist sie an den Naturgesetzen daher ein Verräter?
Ich erklär es dir später, erst kommt das Solo vom Trompeter

Doch zurück zum Steinbock und seinen Exkrementen.
In Wirklichkeit würd’ er seinen Fluss niemals verpfänden
und Konzessionen vergeben an Mienenkonzerne.
„All ihr Schürfer und Glücksritter, habt mich doch bitte gerne!
Das Gold wollt ihr mir nehmen, das Quecksilber lassen,
für dieses „Geschäft“ einen Vertrag verfassen?
Tunkt mich unter Drogen in Farblachen,
mit mir unterschreiben, den Diebstahl gültig machen?
Habt ihr geglaubt, ich fall darauf rein?
Ich bin ein Sternzeichentier, nicht irgendein armes Schwein!
Ich kack auf den Vertrag und piss an dein Bein!
Leck mich am Arsch, ich geh jetzt heim!“

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