Der Milan

Deutschland, der Herbst hat dich endlich wieder
Es läuft die Zeit davon, lieber
Will ich in der Blüte der Jahre verbrennen
Als immer in die selbe Richtung zu rennen

Die Jugend stirbt langsam in meinen Organen
Ich spüre, wie die Glieder erlahmen
Es fallen die Zähne aus meinem Gesicht
Es bläht der Ranzen – Riesengewicht!
Was soll ich tun? Ich bin nicht am Ende
Noch passt das Schwert in meine Hände
Noch könnte ich Legionen besiegen
Mit einem Streich die Alpen verbiegen
In einem Zug das Mittelmeer saufen
Aus der Portokasse Dubai kaufen
Kurz gesagt, ich strotze vor Kraft
Doch irgendwie habe ich’s trotzdem nicht gerafft
Geht es um andere Qualitäten?
Bin ich Idiot in die Falle getreten?
Ich verdammter Depp hab’s nicht gecheckt
ich wollte Offenheit, hab‘ alles verdeckt
Ich wollte Wissen, hab‘ Ignoranz gesät
Ich wollte Klarheit, hab‘ alles verdreht
Ich wollte Liebe, hab‘ dafür getötet
Ich blieb ganz cool, bin nicht mal errötet
Und der Milan ist ein einsames Tier
Sitzt allein in seinem Revier und spielt Balladen auf Klavier
Er löst Kreuzworträtsel, spielt Mensch-ärgere-dich-nicht
Mit sich selbst, Mensch, Milan, vermisst du deine Freiheit nicht?
Deutschland, der Winter hat dich endlich wieder
Alles erfroren, Rosen und Flieder
Verweht unsere Wege, erstarrt unser Sein
Wer jetzt kein Haus hat bleibt lange allein
Wird keines mehr bauen und anderen zuschauen
Wie sie in der Kälte einander vertrauen
und sie starten dann auf ins neue Jahr
Und kaufen ein Auto und Nachwuchs ist da
Doch dir sei’s leider nicht gegeben
Es gibt andere Arten zu leben
Mit wem es teilen, wenn alle in Zweien
Sich klammheimlich leise zusammen abseilen?
Milane sind auch Einzelgänger
Von allen Vögeln die besten Sänger
Doch wir haben von ihrem hohen Tanz
Keine Musik, nur rötlichen Glanz
Und der Milan ist ein einsames Tier
Sitzt allein in seinem Revier und spielt Balladen auf Klavier
Er löst Kreuzworträtsel, spielt Mensch-ärgere-dich-nicht
Mit sich selbst, Mensch, Milan, vermisst du deine Freiheit nicht?
Deutschland der Frühling, früher als gedacht
Doch Milane hat er nicht mitgebracht

Es kamen von Jahr zu Jahr weniger heim
Sie fühlten sich hier doch schon immer allein
Wenige blieben und haben sich verstiegen
In Abenteuer, an die keiner mehr glaubt
Wollten nur kriegen, auf brechen und biegen
Was allen gehört und man ihnen geraubt
Und so zieht es sie höher hinauf
Und die Federn reagieren darauf
Werden feiner, man glaubt es kaum
Sie greifen sogar im luftleeren Raum
Könnt ihr ihn sehen? er kann bestehen
Ohne im Weltraum draufzugehen
Die Vögel werden blass vor Neid
Er trägt die Sonne als Federkleid!
Und der Milan ist ein einsames Tier
Sitzt allein in seinem Revier und spielt Balladen auf Klavier
Er löst Kreuzworträtsel, spielt Mensch-ärgere-dich-nicht
Mit sich selbst, Mensch, Milan, vermisst du deine Freiheit nicht?

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