Dachsland

Gestrandet auf dem Kriegsplaneten und erst mal werd ich bleiben,
doch was er mir zu bieten hat muss sich erst noch zeigen.
Vielleicht gibt’s ja was zu holen, liegt ein Schatz versteckt im Boden,
werd ich ihn noch heut Nacht heben, graben bis Erdplatten beben.

Ich kann nicht länger warten, auch in deinem schönen Garten
wird in kurzer Nacht eine Mondlandschaft gemacht.
Denn seh ich all die friedlichen, idyllischen Grünflächen,
dann fließt das Adrenalin in Bächen.
Und ich greif zur Spitzhacke und Schulter meinen Spaten
und werd bei Nacht und Nebel in das Hochmoor hinauswaten.
Was werd ich dort finden, alte Panzer und Granaten,
Moorleichen, Silbermünzen, Knochen verschollener Soldaten?

Das was ich suche ist aus anderem Erz,
die einzige Heilung für einen tief sitzenden Schmerz.
Es heißt, man muss bei Neumond in das Glitzern sehen
und nur so kann der Schwermut vergehen.

Das Erz, eine Legierung aus den edelsten Metallen,
hör daran und das Rauschen wird verhallen,
riech daran, durch deine Lungenflügel wird Lavendel wehen,
leck daran und dir wird an nichts mehr fehlen.
Dort draußen in dem Schilf zwischen Skeletten toter Linden
wird etwas neu geboren und etwas wird verschwinden.

Doch was genau kann ich nicht sagen, vielleicht zeigt sich’s erst in Jahren,
vielleicht wird’s niemals erwachen, gar keinen Mucks mehr machen.
Doch wofür war sie dann gut, diese Metamorphose,
die lange Suche nach dem Schatz in der Nebelsumpfsoße,
der steinige Weg, der Drahtseilakt, der Ausbruch aus dem Kerkertrakt?
Dieser tief sitzende Schmerz bricht mir noch heut’ das Herz.
Vielleicht waren die Fundstücke aus der tiefen, tiefen Zeche
nur eine Sammlung völlig wertloser Bleche.
Also zieh ich wieder hinaus bei Donnergrollen und Wetterleuchten
und spür, wie Nebelschwaden meine Handflächen befeuchten.
Der Mond tritt hervor und beleuchtet diese Stelle,
ich hacke hinein und schon trifft mich die Welle.
Unbekannte Farben verstellen mir die Sicht.
Nein, sowas hab ich noch nicht gesehen, an sowas glaub ich eigentlich nicht.
Ein Dachs kommt hervor und sagt mir schamlos ins Gesicht:
„Ich bin dein Schatz, ich bin dein Erz, ich bin dein jüngstes Gericht.“

Etwas wird neu geboren und etwas wird verschwinden,
doch nicht völlig, nicht für immer, es ist nur schwer zu finden,
wird gerinnen, von innen, seine Wahrheit wird erblinden,
in einem Speicher in Kisten ein Außenseiterdasein fristen.
Bist du zu oft mit ihm geflogen, mit dem Dachs auf den Wogen,
dann gibt es kein zurück und ohne ihn kein Glück.
Und was wird erst passieren, lässt auch er dich sitzen,
nirgendwo im Weltall zwischen Mars und Sonne schwitzen
und dir ist der Weltraumtreibstoff leider ausgegangen
und der Rückweg auf die Erde durch die Milchstraße verhangen?
Du bist goldrichtig, Junge, ich mache keine Scherze.
In der Kruste von Pluto lagern ungeahnte Erze.
Rette dich dort hin, verliere keine Zeit, grab durch tote Erde in des Planeten Vergangenheit.
Der Vorrat muss lang halten, nimm was man tragen kann,
im Sonnenwind mit Lichtgeschwindigkeit trittst du den Rückweg an.

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